Die Gebetsäule des Hl. Johannes Nepomuk

Karaimų Str. / Vytauto Str. Trakai


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Platz – Karaimų Str. / Vytauto Str.

Die Gebetsäule des Hl. Johannes Nepomuk ist einer der wichtigen Akzente der Stadt Trakai. Diese 14 Meter hohe Gebetsäule befindet sich direkt im Herzen der Stadt Trakai, an der Kreuzung Karaimų/Vytauto-Straße, im Zentrum des ehemaligen Rathausplatzes. Schriftlichen Quellen zufolge stand hier bereits in der Mitte des 17. Jahrhundert eine gemauerte Säule mit einer Statue.

Die Gebetsäule im Stil des Klassizismusmit der Statue des von Fischern und Wasser umgebenen Schutzpatrons der Stadt ist für die Bewohner des Landkreises Trakai ein wichtiges und verehrtes Symbol. Nach dem Aufstand von 1863 befahl die zaristische Regierung, die Heiligenskulptur zu zerstören und bot dafür eine stattliche Geldsumme. Es wird erzählt, dass die Ortsbewohner sich widersetzten und die Ausführung der Anweisung des Zaren verweigerten. Ein Unhold ergriff schließlich doch die Axt und wollte die Skulptur gerade zerstören, da stürzte er von der Leiter und brach sich ein Bein. Der Polizeihauptmann von Trakai musste die Kosaken herbeiholen, die dann schließlich die Heiligenskulptur zerstörten.

1935 erhielt die Gebetsäule ihr neues Abbild des Hl. Johannes Nepomuk. Es wurde vom Bildhauer Stanislovas Hornas–Poplavskisaus Vilnius geschaffen. In der Nachkriegszeit war sie wieder in Gefahr. Diesmal nahmen eifrige Atheisten den hölzernen Nepomuk aus der Gebetsäule und warfen ihn in den See! Als die Mitarbeiter des Museums von Trakai davon erfuhren, bargen sie die Skulptur aus der Tiefe des Sees und verwahrten sie im Fundus des Museums. Anstelle der Heiligenstatue wurden auf der Säule vier Uhren montiert, die jedoch nach kurzer Zeit defekt waren – sie begannen ständig unterschiedliche Zeiten anzuzeigen.

Heute steht in der Gebetsäule die restaurierte Skulptur des Hl. Johannes Nepomuk. 1990 wurde das Abbild des Schutzpatrons von Trakai in allen Ehren an seinen ursprünglichen Platz zurückgebracht.

Legenden zufolge

Die Gebetsäule des Hl. Johannes Nepomuk steht im Zusammenhang mit zahlreichen Legenden. Einer zufolge geriet im 18. Jahrhundert der Eigentümer des Landgutes Užutrakis, Laurynas Odyniec, auf dem Galvė-See in einen heftigen Sturm und begann zu sinken. Der Adelige besann sich auf den Hl. Nepomuk und begann diesen von ganzem Herzen anzubeten und um Hilfe zu bitten. Plötzlich legte sich der Sturm so schnell wie er begonnen hatte, und der gerettete Odyniec errichtete dem Heiligen als Dank eine Skulptur auf dem Marktplatz.

Eine weitere Erzählung handelt davon, dass die Einwohner unwahrscheinlich betrübt waren, als die zaristische Regierung die Statue aus der Gebetsäule nahm. Die Menschen begannen zu glauben, dass der Galvė-See in jedem Frühjahr ein Menschenleben fordern wird, wenn der Hl. Nepomuk nicht auf seine Säule zurückkehrt. Mit der Zeit veränderte sich diese Erzählung ein wenig: Man sprach davon, dass der See im Winter nicht zufrieren und das Eis im Frühjahr nicht schmelzen würde, bis er ein Opfer erhielt.

Das Leben des Hl. Johannes Nepomuk

Johannes Nepomuk wurde 1340 in Tschechien geboren, in der kleinen Stadt Pomuk (heute Nepomuk) in der Nähe von Prag. Als Erwachsener studierte er Theologie und Kanonisches Recht an den Universitäten von Prag und Padua.

Im Alter von 40 Jahren wurde Nepomuk zum Priester geweiht. Später wurde er als Kanoniker des Prager Veitsdoms eingesetzt, d. h. als höherer katholischer Geistlicher und Kapitelmitglied. Die Gemahlin des tschechischen Königs Wenzel IV von Luxemburg Johanna beichtete ihre Sünden nur diesen Priester. Es wird erzählt, dass König Wenzel den Verdacht der Untreue gegen seine Gemahlin hegte und versuchte, Nepomuk zum Bruch des Beichtgeheimnisses zu zwingen. Der Priester widersetzte sich jedoch und zog somit den Zorn des Königs auf sich.

Kurz darauf kam es im Königreich zum Streit um den Einfluss der Kirche auf den Staat. Johannes Nepomuk verteidigte die Obrigkeit des Prager Erzbischofs Johann von Jenstein gegen König Wenzel IV, wodurch er ihn noch wütender machte. Der König befahl, den Priester festzunehmen, zu verhören, zu foltern und zu töten. Es wird vermutet, dass er in der Nacht des 19. März 1393 von der Karlsbrücke gefesselt in die Moldau gestoßen wurde. Deshalb gilt Nepomuk als Schutzpatron der Brücken und Beschützer vor Unglücken auf dem Wasser.

Mit der Zeit begann man ihn als Märtyrer und Verteidiger des Beichtgeheimnisses zu verehren. 1721 sprach Papst Innozenz XIII Johannes Nepomuk selig und 1729 kanonisierte ihn Papst Benedikt XIII, d. h. er sprach ihn heilig.

Der Schutzpatron von Trakai

Den Kult um den Hl. Johannes Nepomuk brachten die Jesuiten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert aus Tschechien in den damaligen litauisch-polnischen Staat. Schnell wurde dieser Name zu einem der bekanntesten und meistverehrten. Interessanterweise erwählte der damalige Herrscher August II den Hl. Johannes Nepomuk – neben dem Hl. Stanislaus und dem Hl. Kasimir – zum Staatspatron, d. h. zum Schutzheiligen und Fürsprecher des Staates. Im Namen des Heiligen wurde eine Bruderschaft in Vilnius gegründet. Außerdem wurden mehrere Dorfkirchen nach ihm benannt und im seenreichen Landkreis Utena gibt es ihm gewidmete kleine Kapellen. Im Volksmund ist er oft einfach nur kleiner Johannes bekannt.

Der Tag des Hl. Johannes Nepomuk wird am 16. Mai gefeiert. Er gilt als Beschützer Tschechiens, Priester, Schiffer, Holzflößer, Fischer, Müller, Seefahrer und Beschützer vor Hochwasser und allen Unglücken auf dem Wasser. Man glaubt, dass der Hl. Nepomuk die Ertrinkenden und alle zu Unrecht Beschuldigten und Verurteilten rettet.1935 wurde dieser Heilige zum Schutzpatron der Stadt Trakai ernannt.

In der Kunst wird der Hl. Nepomuk meistens in einem weißen Chorhemd oder einem Rocchetto, d. h. mit einem weißen breiten, bis zu den Knien reichenden liturgischen Gewand, das höhere Geistliche – Prälaten, Bischöfe oder Kanoniker – trugen, abgebildet. Oft hält er in seinen Händen ein Buch, ein Kruzifix oder einen Palmzweig, der für die Christen das Martyrium und den Sieg des Geistes über den Körper oder das Paradies symbolisiert. Ein weiteres besonderes Attribut des Hl. Johannes Nepomuk in der bildenden Kunst ist ein Nimbus mit fünf Sternen. Es ist ein Symbol, das auf eine Legende zurückgeht, denn man sagt, dass nach dem Sturz des Heiligen von der Brücke in der Moldau fünf Sterne aufgeleuchtet hätten.

Adresse: Kreuzung Vytauto/Karaimų Str., Trakai, Gemeinde Trakai, Bezirksverwaltung Trakai


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